Geschichte unseres Stadtteils - 3. Kapitel

St. Johanniskirche -Infos für Ihren Besuch vor Ort:

 

 

Kapitelübersicht

 

Der Bau der Johanniskirche

Ein umfangreiches Dokument in lateinischer Sprache abgefasst belegt eine Schenkung von Königin Elisabeth an den Siechkobel im Jahre 1307. Königin Elisabeth war die Gemahlin König Albrechts I. von Habsburg (1298-1308). In diesem Stiftungsbrief erweist sich die Königin als große Gönnerin der Leprösen. Neben dem leiblichen Wohl ihrer Schützlinge scheint ihr auch ihre gottesdienstliche Versorgung am Herzen gelegen zu sein. Sie stiftete eine wöchentliche Messe, die ein Kaplan von St. Sebald zu lesen hatte. Es muss also 1307 bereits ein Gotteshaus vorhanden gewesen sein, das aber nicht mit der heutigen Johanniskirche identisch ist.


In dieser Urkunde - deshalb ist sie für die Geschichte von St. Johannis besonders bemerkenswert - taucht zum ersten Mal der Name St. Johannis auf. Allerdings geht nicht daraus hervor, welcher Johannis gemeint ist. Der Täufer oder der Evangelist.

Der Name St. Johannis wird in der Urkunde dreimal erwähnt. Weiterhin ist dem Schreiben zu entnehmen, dass der Siechkobel der Pfarrei St. Sebald unterstellt war. Es muss also vor der heutigen Johanniskirche ein Gotteshaus zwischen 1238 und 1307 vorhanden gewesen sein, als Weihedatum wird das Jahr 1252 genannt. Erst danach beginnt der Bau der heutigen Johanniskirche.

Die Johanniskapelle wird 1377 von Titular-Erzbischof Heinrich III. geweiht. Der Weihetag wird auf den nächsten Tag vor Sunbenden gelegt, der Altar wird zur Ehre folgender Heiliger geweiht: St. Johannes dem Täufer, St. Johannes dem Evangelisten, St. Christophorus, St. Antonius, St. Franziskus, St. Katharina, St. Margareta und St. Elisabeth. Die Chorweihe wird im gleichen Jahr gefeiert, in dem auch der Chor der Mutterkirche St. Sebald vollendet wird. Das legt den Schluss nahe, dass der Chor der Tochterkirche ähnlich ausgestattet sein sollte. Er ist zwar viel kleiner und bescheidener ausgefallen, doch seine feine Gliederung verleiht ihm einen ganz besonderen Charakter, wie er in anderen Kirchen Nürnbergs nicht mehr gefunden wird. 18 Jahre später 1395 erfolgte die Weihe des Langhauses.

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Bildrechte Förderverein Kulturhistorisches Museum Nürnberg e.V.

Die Kapelle hat ihr damaliges Aussehen bis heute im Wesentlichen nicht verändert. Lediglich im Jahre 1446 wurde an der Südseite die Sakristei angebaut. Um eine vollkommene Trennung der Siechkobelinsassen von anderen Gottesdienstbesuchern zu erreichen hat man schon in frühester Zeit vom 1. Stock des Siechkobels einen geschlossenen Laufgang bis in die Kirche angelegt. Er führte zur Westseite des heutigen Gotteshauses. Für Gottesdienstbesucher hatte die Kirche zwei Einlässe. Das große Portal an der Nordseite lag direkt an der Straße nach Fürth und ein kleines Portal an der Südseite. Das südliche Portal wurde später zugemauert, die entstandene Nische wurde für den Passionsaltar genutzt.

Freilich kommt uns die Kirche für die wenigen Siechkobelinsassen und das dazugehörige Personal etwas groß vor. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass in der religiösen Vorstellung des Mittelalters der Begriff Bedarf völlig unbekannt war. Sonst hätten sich die beiden Stadtdome neben einer großen Zahl kleinerer Kirchen, darunter sieben Klosterkirchen, bei einer Einwohnerzahl von 25-30 000 nicht gelohnt. Das Wort Bedarf konnte andererseits eine wichtige Rolle für die mittelalterlichen Menschen spielen, wenn es sich um die Grablege des Adels handelte. Der Stadtadel pochte unerbittlich auf sein Recht, in der Kirche begraben zu werden. Nur wenige Adlige begnügten sich mit Grablegen an der Kirche.

Grablegen sind zu allen Zeiten knapp gewesen, da im Gegensatz zum Erdgrab keine Verwesung des Leichnams stattfinden konnte. So häuften sich mit der Zeit immer mehr Särge an, das Kirchenschiff konnte bald keine Gottesdienstbesucher mehr aufnehmen. Dies war auch der Grund, zwei Emporen an der Nordseite der Kirche einzubauen. Erst 1811 wurde der letzte Grabstein aus der Kirche entfernt.

Vielfach taucht auch heute noch die Bezeichnung Friedhofskapelle für die Johanniskirche auf. Im mittelalterlichen Sprachgebrauch hängt die Bezeichnung Kapelle oder Kirche nicht von der Größe eines Bauwerkes ab, lediglich die Funktion ist entscheidend.

Eine Kapelle bedeutete im Mittelalter eine Kirche ohne Pfarrgemeinde.

Ein typisches Beispiel ist die Frauenkirche. Ihr wurde im Mittelalter nur der Status Kapelle zugestanden. Der „Consensus“ (Einwilligung) von St. Sebald musste vor Baubeginn eingeholt werden, ebenso musste die Confirmatio (feierliche Bestätigung) des Bischofs von Bamberg vorliegen, die dieser auch noch mit Auflagen versehen konnte: Keine Begräbnisse in der Kirche, keine Prozessionen in der Kirche. Offensichtlich wollte sich St. Sebald eine Konkurrenz vom Leibe halten.

Es ist möglich, dass die Johanniskirche noch in frühester Zeit als Kapelle bezeichnet wurde. Der Status der Kirche ändert sich mit der festen Anstellung eines Geistlichen. Aus der Kapelle wird eine Kirche, weil ein Geistlicher mit einer - wenn auch kleinen Gemeinde - vorhanden ist. Eine selbstständige Gemeinde wird Johannis noch lange nicht. Sie bleibt bis Anfang des 19. Jahrhunderts St. Sebald unterstellt.
 

Baudaten der Kirche

 

Im Mittelalter gab es kein geistliches oder weltliches Amt, das für die Bereitstellung von Geldmitteln zum Bau von Kirchen und caritativen Einrichtungen zuständig war. Das Geld stammt ausschließlich aus Spenden Stiftungen und Ablässen. Wenn das Geld aufgebraucht war, wurde das Bauvorhaben stillgelegt. Solche Ruhepausen sind auch aus der Baugeschichte unserer beiden Dome bekannt. Aus dieser Sicht betrachtet, verdienen unsere Dome noch mehr Bewunderung.

Die Johanniskirche hatte anfänglich keine Sakristei. Eine solche wurde erst 1446 an der Südseite des Chores angebaut. Demnach stammt auch die schöne Rautentür zur Sakristei aus dieser Zeit. Wer aber glaubt, der Pfarrer habe damit seinen Weg in die Kirche abgekürzt, der irrt. Die Außentür der Sakristei wurde erst 1813 eingefügt. Das Dachwerktürmchen, früher ein Fachwerkbau, wurde trotz des Protestes der Gemeinde mit einer braunen Holzwand umgeben. Dass die Kirche erst 1587 ihre erste Kanzel bekam, setzt in Erstaunen und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Reformation. Mit der Reformation wird die Predigt zum unerlässlichen Bestandteil des Gottesdienstes. In der vorreformatorischen Zeit waren Messe und Predigt voneinander getrennt. Vielfach wurde die Predigt vorzugsweise von bestimmten Orden vorzugsweise gepflegt und blieb diesen vorbehalten. Die Predigt wurde meist im Freien abgehalten. An vielen Kirchen sind Kanzeln noch heute an der Außenseite angebracht. Die Kanzel unserer Kirche änderte mehrfach ihren Standort.

Die beiden Emporen an der Nordwand der Kirche wurden 1683/84 unter der Pflegschaft des Georg Michael Paumgartner errichtet. Sie sind eine damalige Notlösung und stören den Raumeindruck der Kirche erheblich. Nur noch vereinzelt waren im Ostraum des Schiffes Kirchenstühle für Adel oder sonstige Privilegierte vorhanden, der Rest war mit Grabsteinen belegt.

1676 wurde eine neue größere Orgel angeschafft. Wann die Aufstellung einer ersten Orgel und damit der Bau der Orgelempore stattgefunden hat ist nicht bekannt. Die Barockorgel von 1676 wurde 1884 durch die heute noch vorhandene Steinmeyer Orgel ersetzt.

Ansonsten sieht die Kirche noch so aus wie sie von Albrecht Dürer 1494 gezeichnet worden ist. Auf dem Aquarell von Albrecht Dürer 1494 ist links neben der Kirche das Pfarrhaus, rechts neben der Kirche der Siechkobel zu erkennen.