Geschichte unseres Stadtteils

 

Die Geschichte unseres Stadtteils St. Johannis in Nürnberg

die Geschichte unseres Stadtteils habe ich nicht erfunden, gebe sie aber mit der Angabe von Quellen an dieser Stelle weiter. Es wird eine Zusammenfassung von verschiedenen Schriften sein. Das Quellenverzeichnis werde ich jeweils am Ende beifügen.

Die Darstellung der Geschichte wird in mehreren Kapiteln erfolgen, von der Vorgeschichte bis in die heutige Zeit. Es werden dabei auch Ereignisse im Umfeld des Stadtteils beleuchtet, um die geschichtlichen Zusammenhängen darzustellen. Ich werde auch Anekdoten, Sagen und Erzählungen einfügen. Natürlich wird das ganze Werk reich bebildert. Wir wollen ganz am Anfang beginnen.

Ihr Frank Lechtenfeld

Teile des Textes wurden aus dem Buch “Die geschichtlichen Ursprünge von St. Johannis” von Dr. Friedrich Ellner und Geschichte für alle e.V. entnommen.

1. Kapitel

St. Johannis - Der Anfang

Viele Chroniken beginnen mit dem Satz: Durch die am 30. August 1234 in Nürnberg ausgestellte Urkunde schenkte der deutsche König Heinrich VII dem Deutschordensspital drei Mühlen und einen Garten. In der Urkunde wurde auch die Lage der Mühlen angesprochen. Als erste wird die Mühle zwischen den Weiden, also die Weidenmühle, angesprochen. Bei den beiden anderen Mühlen handelt es sich zum einen um die am Fischbach gelegene, später Almosenmühle genannt und die dritte Mühle war die Liubmannsmühle an der Karlsbrücke, die spätere Krötenmühle.

Doch wie konnte ein König Land verschenken, Land, das ihm nicht gehörte? Dazu muss man die Vorgeschichte auch der Stadt Nürnberg ein wenig beleuchten.

Die Vorgeschichte

Das Gründungsjahr der Stadt ist auf das Jahr 1050 festgeschrieben und zwar durch die urkundliche Erwähnung der in die Freiheit entlassenen Magd Sigena. Wenn also im Jahre 1050 eine Magd in die Freiheit entlassen wird, muss der dazugehörige Hof schon früher da gewesen sein. Wie lange aber, ist nicht belegt. Um so mehr haben sich im Laufe der Geschichte Sagen und Legenden um den Ursprung Nürnberg gebildet. Sie halten alle einer geschichtlichen Überprüfung nicht stand. Weitaus leichter ist es den Gegenbeweis anzutreten, dass Nürnberg kein wesentlich höheres Alter beanspruchen kann.

Im Jahre 1007 wird das Bistum Bamberg gegründet. Die Herrschaftsgrenze zum Bistum Eichstätt wird für einen gewissen Verlauf die Pegnitz sein. Nürnberg wurde damals noch nicht erwähnt. Die Grenzen zwischen den Bistümern Bamberg und Eichstätt bestehen heute noch und geht in Nürnberg mitten durch die Stadt.

So kann man sicher sein, dass Nürnberg nicht wesentlich älter ist, als es in unserer Urkunde zur Freilassung einer Magd geschrieben steht. Der Anlass für die Ausstellung dieser Urkunde ist geschichtlich unbedeutend und hat sich öfters wiederholt. Eine unfreie Magd mit dem Namen Sigena wird freigesprochen, wir können mit einem solchen Text wenig anfangen, ein Einblick in das damalige Sozialgefüge ist schwierig. Praktisch werden verschiedene Grade von Freiheit unterschieden. Sklaven im heutigen Sinne gab es nicht. Einen solchen hätte man wie eine Ware verkaufen können. Eher ist das Wort “hörig” am Platze. Der Bauer, der Knecht, die Magd waren einem Herrn “hörig”. Sie konnten den Herrn nicht wechseln. Das Wesentliche eines Unfreien war die Bindung an den Herrn, mit der Freisprechung wurde eine solche Bindung gelöst.

Den Begriff “Freisprechung” kennen wir heute noch, wenn ein frisch gebackener Geselle von seinem Lehrvertrag und damit von seinem Lehrherrn entbunden wird. Ebenso ist uns der Lorenzer- und Sebalder-“Reichswald” noch ein Begriff, der aus dieser Zeit stammt.

Anfänge und Entwicklung zur Freien Reichsstsadt

In der Regierungszeit Heinrich III (1039-1056), Kaiser seit 1046, wird die Burg gebaut worden sein. Die Burg war “Reichsgut”. Der jeweilige Kaiser hatte nur das Nutzungsrecht. Ebenfalls war ein großes Waldgebiet, das diese Burg umgab, “Reichsgut”. Die Grenzen für dieses Gebiet wird mit Hilfe von Flussläufen gezogen. Die Grenze im Westen war die Rednitz bzw. die Regnitz, im Norden das Flüsschen Schwabach und im Süden die Schwarzach. Im Osten grenzte der Reichswald an das “böhmische Lehen”, das schon in Lauf begann.

Die kleine Siedlung unterhalb der Burg, die zunächst nur die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Burginsassen befriedigt, wächst sehr rasch zu einer kleinen Stadt heran. Aus dem königlichen Schultheißenamt entwickelt sich allmählich in einem schwierigen Prozess, an dem sich mehrere politische Kräfte beteiligen, das Regiment der Ratsherren.

Der Burgfrieden

Den Begriff Burgfrieden gibt es seit dem frühen Mittelalter. Er hat seinen Sinn seitdem nicht mehr verändert. Friede um die Burg. Im erweiterten Sinne Friede um jede Stadt oder größerer Ansiedlung. Im modernen Sinn könnte man auch das “Weichbild” einer Stadt beschreiben.

Ein Leben innerhalb der Stadtmauern ohne Verbindung mit der freien Natur wäre ein Gefängnis gewesen. So gehört zu jeder mittelalterlichen Stadt ein verschieden breiter Grüngürtel, in dessen Bereich Gärten und kleine Bauernhöfe angelegt sind. Innerhalb dieses Bereichs ist ein Streit mit Waffen, eine Fehde, ausgeschlossen, man lebt friedlich in relativer Sicherheit. Ein Streit innerhalb des Burgfriedens soll auf dem Prozesswege ausgetragen werden. Das von Heinrich VII an den Deutschherrnorden verschenkte Land-die Stadt war damals bereits 200 Jahre alt und hatte beträchtlich an Größe zugenommen-lag innerhalb des Burgfriedens. Auf dem zugehörigen Land befand sich eine Mühle zwischen den Weiden und ein Siechkobel für Aussätzige. Auf die Darstellung der Schenkungsurkunde wird hier verzichtet, sie ist in allen Publikationen abgebildet. Heinrich musste aber in geschickten Verhandlungen den Burggrafen von Nürnberg zum Verzicht des Landes überreden. Weitere Zeugen dieses Vorgangs sind: Sypherid, Erzbischof von Mainz (Siegfried v. Eppstein 1230-1249), Eggebert Bischof von Bamberg (Egbert, Graf von Andechs Herzog von Meranien 1203-1237), Heinrich Bischof von Eichstätt (Heinrich III. von Rabensberg 1234-1237). Es folgen noch die Unterschriften von sieben weiteren Grafen aus die weiteren Nachbarschaft. Also eine weit gestreute Absicherung und Einverständnisserklärung.

Gegeben zu Nuremberg im Jahre 1234 der göttlichen Menschwerdung am dritten Tag der Kalenden des Septembers.